Karl F. Haug Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co KG, Stuttgart
M. Solvey
Zusammenfassung
Carc. ist eine Nosode von groÜem therapeutischem Wert, die wegen der
bedauerlichen Zunahme des kanzerogenen Miasmas in unserer Zeit für
Kinder wie für Erwachsene als ein Konstitutionsmittel von hohem Rang
angesehen werden kann und muÜ. Carc. nimmt bei weitem nicht den Platz in
der Therapie ein, der ihm in der täglichen homöopathischen Praxis
eigentlich zustünde, was auf folgendes zurückzuführen ist: 1. auf eine
bewuÜte oder auch unbewuÜte Abneigung gegen seine Verordnung. Wir
Homöopathen müÜten uns aber hierüber klarwerden und die Last dieser
Üngste auf uns nehmen, anstatt sie auf unsere Patienten abzuwälzen; 2.
auf ein unzureichendes Wissen im Zusammenhang mit dieser Nosode wegen
der dürftigen pathogenetischen Hinweise und mangels einschlägiger
Literatur; 3. auf die Tatsache, daÜ es in den Reperto-rien nicht
enthalten ist *). Carc. hat ein weiteres therapeutisches
Anwendungsgebiet mit 3 ganz unterschiedlichen Indikationen: Es wird
verwendet 1. als Konstitutionsmittel. Seine Verabreichung gemäÜ der
strengen Hahnemannschen Ühnlichkeitsregel unter Einbeziehung der
Gesamtheit der Symptome scheint den gröÜten Erfolg zu bringen. 2. als
miasmatisches Mittel, wobei es in gleicher Art und Weise als
homöokanzerinisches Mittel anzusehen ist, wie wir Sulfur als ein
homöopsorisches, Thuja als homöosycotisches und Mercurius oder Luesinum
als ein homöosyphilitisches Heilmittel betrachten. Seiner Verwendung
kommt bei Kanzerosen und Präkan- 1) Das neu erschienene Repertorium von
BAR-THEL und KLUNKER hat diese Lücke inzwischen geschlossen. Die Übers.
zerosen deswegen eine ungewöhnliche Bedeutung zu; 3. als Nosode mit
ätiologisch-anamnesti-scher oder isopathischer Verwendung, das heiÜt
aufgrund der Kausalität. In diesem Sinne wird es in Fällen mit
hereditärer oder persönlicher Ca.-Belastung gegeben und insbesondere als
postoperatives Mittel, da sich erwiesen hat, daÜ Carc. sehr wohl in der
Lage ist, eine spezifische miasmatische Blockierung (oder
bioimmunologische Blockade, wenn dieser modernere Terminus vorgezogen
wird) aufzuheben; es kann daher im wesentlichen als ein Reaktionsmittel
angesehen werden, das den ihm ex aequo zustehenden Platz unter den
klassischen Reaktionsnosoden Tub., Med., Psor. oder Lues einnehmen kann.
AbschlieÜend, und unter Hinweis auf die von FOUBISTER aufgestellte
Behauptung, daÜ die Verwendung von Carc. um so angezeigter erscheint, je
weiter der Patient von einem kanzerösen Zustand entfernt ist, möchte
ich eine Bemerkung von Dr. ASKEW vom London Royal Homoepathic Hospital
(Zitat aus dem British Homoeopathic Journal vom Januar 1974, S. 25,
"Lectures on the Reper-tory") wiedergeben: "Wenn der Patient vorwiegend
geistige Symptome aufweist, muÜ eine sorgfältige Prüfung der allgemeinen
Symptome vorgenommen werden und umgekehrt. Zeigt sich beim Patienten
ein begrenzter pathologischer Bereich, müssen die gesamten physischen
Symptome berücksichtigt werden, um zum richtigen Medikament zu gelangen.
Alles muÜ beachtet werden, aber die nicht angegebenen Symptome, die
nicht ausgesprochen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit des Patienten
stehen, können am ehesten zur Auffindung des richtigen Mittels
beitragen."https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2006-937741